Der Ausgangspunkt unseres Bodden- und Rügentörns ist das Jahrestreffen der Diabolo-Klassenvereinigung Ende Juli 2013 in Dierhagen. Einige der Teilnehmer nutzen Dierhagen als festen Urlaubsstandort für ihre Aktivitäten. Für die anderen, diesmal nur Detlef, Petra und wir ist es der Startpunkt für einen mehr oder weniger langen Törn, zu dem wir nach der gemeinsamen Jahreshauptversammlung aufbrechen.

 

Dienstag

Dierhagen - Zingst, 22 sm

Am Dienstag laufen Talkrabb und Destiny vormittags aus, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Wir haben verabredet, uns zur Nachmittagsöffnung an der Meiningenbrücke zu treffen. Wir segeln durch den Saaler Bodden, brauchen aber ab den Neuendorfer Bülten windrichtungsbedingt den Motor. Die schmale Durchfahrt der Bülten ist eines der bekannten Fotomotive der Bodden. Heute, in strahlendem Sommerwetter, zeigen sich Schilfinseln, Tonnen und das kleine (Fischer-?)Häuschen von ihrer besten Seite. An der laut Seekarte flachsten Stelle müssen wir das Schwert etwas hochkurbeln, obwohl wir im Fahrwasser sind. Etwa halbwegs zwischen Born und Bliesenrade fällt dicht am N-Ufer der Anker ins etwa bauchtiefe Wasser zur Mittags/Bade/Kaffepause. Um bequem zur vorgeschriebenen Zeit 1730 an der Brücke zu sein, machen wir uns gegen 1530 wieder auf den Weg. Der Bodstedter Bodden liegt nach ein paar Kreuzschlägen hinter uns und so sind wir gut früh genug da. Nach ein paar Seiten Lesen und ein oder zwei Keksen sehen wir die Destiny pünktlich um 1730 um die Ecke biegen. Ebenso pünktlich um 1745 öffnet die Brücke und wir tuckern weiter nach Zingst. Die Brücke mit ihren wenigen täglichen Öffnungszeiten scheint offenbar ein bedeutendes Hindernis für die Erschließung des dahinterliegenden Boddens zu sein. Waren bisher halb leere Häfen normal, so ist es in Zingst umso voller. Der Hafenmeister des Kloss-Hafens packt uns gerade noch irgendwie rein. Die Abendunterhaltung bildet der Spaziergang quer durch den Ort bis auf die Seebrücke und die Seebadatmosphäre.

 

 Fahrwasser in den Neuendorfer Bülten

 

Badepause bei Born

 

 Der Ausflugsdampfer aus Prerow vor der Meiningenbrücke

 

Mittwoch

Zingst - Vitte, 33 sm

Nach Abhören des Seewetterberichts besprechen wir den weiteren Törnverlauf. Für die nächsten Tage ist ruhiges, schönes Wetter mit eher geringen Windstärken aus NO, O, SO angesagt. Bis auf die Windrichtung also günstige und sichere Bedingungen auch für eine Route in N um Rügen. Da der Bekannte von Detlef aber in Puddemin wohnt, beschließen wir, uns für die nächsten Tage zu trennen und im SO von Rügen wieder zusammen zu treffen. Bis Hiddensee ist es ein ganzes Stück, also machen wir uns kurz um 0930 trotz Flaute auf. Nach einiger Zeit regt sich der Wind und bevor die Fahrrinne Richtung Kinnbackenhagen beginnt, lässt es sich im Großen Wiek sogar ein Stück segeln. Richtungsbedingt können wir den bis zum Nachmittag zu idealer Stärke aufgefrischen Wind leider erst wieder nutzen als wir an Barhöft vorbei sind. An der Tonne 38 direkt nach dem Schutzgebiet schwenken wir nördlich. Bis auf die engen Durchfahrten kreuzen wir die Strecke auf und sind dabei auch nicht wesentlich langsamer als die direkt motorenden Segelboote. Um etwa 1700 laufen wir in den schon total vollen Yachthafen von Vitte ein und klemmen uns noch auf einen halben Platz am Steganfang. Dafür werden wir um happige 14€ erleichtert, wahrscheinlich inklusive Kurtaxe, aber immerhin. Im Insel-Edeka kaufen neben „After-Sun“-Creme ein Stück Fleisch, um das noch vom Finnlandtörn stammende Curry aufzuwerten. Der Laden ist eine wahre Goldgrube, denn hier, auf dieser autofreien Insel, kann kein Urlauber den Kofferraum mit Vorräten vollpacken und diese direkt von daheim bis vors Ferienhaus fahren. Doch vor dem Abendessen steht erst noch die Wanderung zum Dornbusch auf dem Tagesprogramm. Vorbei an den ehemaligen Sommerhäusern von Asta Nielsen in Vitte (bröckelig) und Gerhart Hauptmann in Kloster (gepflegte Anlage mit Besucherzentrum) führt der Weg in die heideartige Hügellandschaft zum bekannten Leuchtturm. Der Blick in der Abendsonne in Richtung Mön und nach allen Seiten über die Insel Hiddensee entschädigt dafür, dass sich der Fußweg doch ziemlich hinzieht, vor allem zurück. Als wir wieder am Boot sind, liegen die größeren Schiffe schon in Zweierpäckchen quer vor den Boxen.

 

 Blick vom Dornbusch über Hiddensee nach Süden

 

 Der Leuchtturm auf dem Dornbusch

 

Donnerstag

Vitte - Lohme, 28 sm

Nachdem wir vom Waschhaus zurück sind, fängt es zu nieseln an und wir müssen das Frühstück in die Kajüte verlegen. Danach geben wir dem Regen noch etwas Gelegenheit, aufzuhören, bevor wir losfahren. Diese nutzt er nicht, und so tuckern wir im Ölzeug los. Nach der betonnten Ausfahrt aus Vitte passt der Wind und wir setzen Segel. Gemächlich, aber stetig geht es voran und als wir Neubessin passiert haben, hört auch der Regen auf. Irgendwann wird es zu gemächlich und der Motor muss wieder ran. Wir nutzen die Gelegenheit bzw. Langweile gleich zum Essen und prompt nach dem letzten Bissen ist der Wind wieder da und bringt uns ans Kap Arkona. Dort ermöglicht er uns durch Untätigkeit ein ausgiebiges Betrachten der berühmten Landmarke. Nach knapp 2/3 Motorstrecke über das Tromper Wiek meldet der Wind sich mit neuem Schwung zurück und wir kreuzen lässig in den Ausreitgurten bis vor die Hafeneinfahrt von Lohme, um den Terrassenbesuchern des Cafe Niedlich etwas Unterhaltung zu bieten. In Lohme liegt der Ort oben auf der Steilküste und der unmittelbar darunterliegende Hafen ist mit einer Treppe, einem steilen Serpentinenweg und einem Lastenaufzug angebunden. Auf halber Höhe liegt das erwähnte Cafe Niedlich. Oberhalb des Ortes sind die Funkmasten des ehemaligen Seefunksenders Lohme zu sehen, dem DDR-Gegenstück zu Norddeich Radio. Der Hafen selbst ist klein, sauber und gemütlich und wird auch bis zum Abend nicht voll. Nach der Ankunft holen wir wieder die Wanderstiefel aus der Backskiste und statten den je nach gewählter Route ca. 4,5 bis 6 km entfernten Kreidefelsen einen Besuch ab. Als wir dort ankommen packt die Kassiererin des Besucherzentrums gerade ihre Tageseinnahmen zusammen und macht Feierabend. So ist der Zutritt zur Besucherterrasse auf dem Königstuhl auf jeden Fall umsonst und ins Besucherzentrum wollten wir sowieso nicht. An- und Ausblick ist wie im Prospekt bzw. wie auf dem Gemälde. Wir sind gerade wieder rechtzeitig zurück zum Beginn des Hafenkonzerts und den Grillwürsten des Hafenmeisters. Erfreulicherweise handelt es sich nicht um Disco-Dauerbeschallung, sondern um ein Trio aus Dresden, das Latino-Jazziges spielt. Also genau das Richtige für den kühlen Drink bei Sonnenuntergang auf dem Teakdeck. Und auch nicht zu lange.

 

 Die bekannten Kreidefelsen, Ziel unserer Abendwanderung von Lohme aus

 

 Der Hafen von Lohme

 

Freitag

Lohme - Thiessow, 35 sm

Da es an der Ostseite von Rügen nur wenige Häfen gibt, soll es auch heute wieder eine längere Etappe werden. Bis zu den Kreidefelsen kreuzen wir bei ungünstig drehendem und stetig schwächer werdendem Wind. Eine Weile dümpeln wir noch vor dem Königstuhl dahin und machen ein paar hundert Fotos. Aber das ist auf jeden Fall schöner als die Kreidefelsen-Bootstour von Sassnitz aus. Die Ausflugsschiffe fahren bis in die Nähe der Felsen, dann etwas Blabla aus dem Bordlausprecher und schon geht es wieder kehrt zurück. Die Heckwellen dieser eiligen Umherfahrerei werfen uns fast um, als die Kähne dicht an uns vorbeifahren. Aber dabei weit und breit kein Windhauch. Also beschließen wir, mit Motor erst mal nach Sassnitz zu fahren und eine Tankstelle zu suchen. In den kleinen Häfen an der SO-Ecke Rügens soll es noch schwieriger sein, an Treibstoff zu kommen. Der Hafen ist zwar groß, aber ziemlich verlassen, seit es mit der Fischfangflotte bergab ging und die Schwedenfähren in Mukran ablegen. Ein neuer Yachthafen ist im Bau, die schon fertigen Steganlagen sind praktisch leer. Wir tucken den ganzen Hafen ab, doch es gibt tatsächlich nur die Dieselzapfstelle, die vormittags zwei Stunden offen hat. In der letzten Hafenecke fragen wir die Fischbraterinnen eines Imbisskutters nach dem Weg zur nächsten Tankstelle. Diese liegt am Ortsausgang, etwa eine halbe Stunde Fußmarsch. Im Yachthafen machen wir daher erst mal fest und versuchen die mittägliche Flaute bestmöglich zu nutzen. Wanderstiefel an und den Kanister in den Rucksack, dann ein ausgedehnter Spaziergang zur Tankstelle und zum Einkaufen. Weil es angesichts der noch vor uns liegenden Strecke nach Thiessow wahrscheinlich spät werden wird, verlegen wir die warme Tagesmahlzeit auf Mittag in die Straßenbewirtung einer Sassnitzer Bäckerei. So kann das Abendbrot kalt und unaufwändig werden und geht je nach weiterem Verlauf auch unterwegs. Etwa kurz vor 1500 machen wir uns wieder auf den Weg und stellen erfreut fest, dass der Wind es wieder gut mit uns meint. Unter Groß und Blister können wir den Kurs zwischen den Seeschiffen der Reede vor Mukran übers Prorer Wiek nach Nordpert direkt anliegen. Um Mönchgut, genauer gesagt um Südpert und Klein Zicker, herum auf Vorwindkurs und noch ein Stück raumschots auf dem anderen Bug können wir so eine angenehme Strecke von etwa 24 sm schneller als mit dem Motor zurücklegen und müssen dazu nur ab und zu die Segel etwas nachtrimmen. Thiessow ist ein ehemaliger Fischereihafen am Ende einer rundum geschützten Lagune, dem Zicker See, die ausgiebig als Ankerplatz genutzt wird. Trotz der späten Ankunft um etwa 1945 finden wir noch einen Platz längsseits an der Kaimauer. Vom Kajütdach aus ist es noch ungefähr ein Meter bis oben. Aussteigen ist also problemlos, nur die Aussicht ist eher eingeschränkt. Zum Ausgleich stehen auf der Mole Parkbänke, so dass beim Abendbier trotzdem die schöne Landschaft betrachtet werden kann.

 

 Die Kaimauer des Thiessower Hafenbeckens

 

Samstag

Thiessow - Seedorf, 11 sm

Heute wollen wir uns in Seedorf wieder mit Petra und Detlef treffen. Das ist nicht weit und es wird ein ruhiger, gemütlicher Tag. Wir beginnen ihn mit einer Runde durch den Ort, der Ergänzung unserer Vorräte fürs Wochenende und einem ausgedehnten Frühstück. Um 0900 laufen wir aus, setzen gleich nach der Hafenausfahrt die Segel und sind um die Mittagszeit in Seedorf. Der Having läuft in zwei Zipfeln aus, die von Flussmündungen gebildet werden. Die Flüsse sind sehr kurz und entwässern jeweils eine Senke mit einer Art Binnensee. Der westliche davon, der Lanckener Bek, bildet nach ein paar hundert Metern den Hafen von Seedorf. Der Ort, meist Ferienhäuser, zieht sich einlaufend am rechten Ufer hin. Rechts und links sind durchgehend Liegeplätze bis zu einer kleinen Fußgängerbrücke, die den schiffbaren Flussteil vom dahinterliegenden See abtrennt. Dorfseitig werden die Steganlagen von zwei gewerblichen Anbietern betrieben, gegenüber haben einige Vereine ihre Anleger. Wie immer, wenn nichts Wesentliches dagegen spricht, entscheiden wir uns, das Liegegeld lieber einer Vereinskasse zuzuführen. Das Vereinsgelände des Segelsportvereins umfasst eine lange Steganlage und eine Stichkanal zu einem Schienenslip. In der 80er–Jahren räumten die Vereinsmitglieder den Kanal von den Überresten eines Schiffswracks frei, bauten mittels eines vereinseigenen Arbeitspontons mit Pfahlramme die Steganlage und errichteten zwei mit dem Schienenslip andienbare, geräumige Winterlagerhallen. Außerdem ist noch ein Vereinsheim mit Grillplatz und schönen Sanitärräumen vorhanden. Der Slip ist bis 25 Tonnen ausgelegt und die Hallenplätze haben eine Breite von 4 bis 5 m. Wie ein Vereinsmitglied erzählte, wurden in der Nachwendezeit die Schiffe nach und nach fast zu groß für die Unterstellmöglichkeiten. Seit einigen Jahren werden sie wohl aber wieder kleiner. Den Nachmittag verbringen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang über die nächsten Hügel bis wir über den Baaber Bek hinweg die ersten Häuser von Sellin sehen können. Dazu pfeift in kurzen Abständen der rasende Roland, dessen Bahnstrecke wir aber leider nirgends per Auge ausmachen können. Wieder zurück auf dem Boot schreiben wir noch ein paar Postkarten und verbringen die Zeit wie viele der andern Steglieger mit Baden und Kaffetrinken. Am frühen Abend läuft die Destiny ein. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns fürs Abendessen gegen Selbstkochen und für Bratfisch in einem Freiluftlokal. Dabei diskutieren wir die weitere Route. Von hier aus wären Greifswalder Oie, Peenemünde, die Südseite des Greifswalder Boddens oder die Einfahrt zum Strelasund erreichbar. Aber das hängt letztlich alles von Wetter in den nächsten Tagen ab und es ist eine Änderung der sommerlichen Hochdrucklage angekündigt.

 

 Der Lanckener Bek und die Liegeplätze von Seedorf, im Hintergrund die Mündung in den Having

 

Sonntag

Seedorf - Stahlbrode, 23 sm

Der aktuelle Wetterbericht und ein Blick in den Himmel sprechen dafür, den Törn nicht weiter in Richtung O auszudehnen. Dann müssten wir voraussichtlich für die ganze Rückreise mit einer ungemütlichen Westwindlage rechnen und hätten auch keine Zeit mehr, passendere Bedingungen abzuwarten. Die ursprünglich mal überlegte Alternative, in Stralsund schon auszuslippen und den Trailer aus Dierhagen zu holen, hatten wir inzwischen verworfen. Wir möchten uns stattdessen lieber nochmals mit Heimo und Regine treffen, die wir bedingt durch ihre späte Anreise nur am Montagabend gesehen haben. Also sieht die weitere Planung so aus: heute über den Greifswalder Bodden nach Stahlbrode, morgen Altefähr und Stadtbesichtigung Stralsund (nur wir, Petra und Detlef waren ja schon mal dort), Dienstag bis Prerow zu Heimo und Regine. Bei leichtem Getröpfel aus einem trübgrauen Himmel legen wir ab. Schon bei der Ausfahrt aus dem Lancker Bek ist die Sonne jedoch wieder zurück, dafür reicht der Wind nur noch bis knapp vor Vilm, der ehemaligen Ferieninsel für hohe Parteifunktionäre. Wir machen das Naheliegende, eine ausgiebige Badepause. Irgendwann bemerken wir, dass Vilm näher kommt und auch die Badestrickleiter infolge leichter Fahrt durchs Wasser leicht schräg nach unten hängt. Zeit, wieder die Segel zu setzen. Auf der weiteren Fahrt über den Bodden frischt der Wind nach und nach auf und dreht immer nachdrücklicher in die angekündigte, westliche Richtung-. Es wird noch ein richtig schöner Segeltag. Auf der Höhe von Zudar beraten wir mit Detlef und Petra, ob wir das noch schöne Wetter nutzen sollten um heute bis Stralsund zu kommen. Mal sehen. Der Kreuzkurs im Ostteil des Sunds ist dann doch langwieriger und anstrengender als gedacht. Wie vor einer Wetterfront eben üblich wird es zunehmend böig. Als die Fähre Strahlbrode - Glewitz in Sicht kommt überschlagen wir die weitere Segelzeit und beschließen: Feierabend. Der Yachthafen liegt westlich des Fähranlegers. Er ist zur Zeit im Auf- bzw. Ausbau und wird wohl mal die beiden vorhandenen Hafenbecken ausfüllen. Im Moment besteht er erst aus einigen wenigen Liegeplätzen im südlichen der Becken. Beim Anmelden sehen wir, dass der Hafenmeister bereits den Grill anheizt. Schweineschnitzel mit Brötchen 3,50 € und Bier 1,50 €, da bleibt die Bordküche wieder kalt. Beim Essen kommen wir mit einem Segler aus Senftenberg ins Gespräch. Seiner Beschreibung nach werden die Lausitzer Braunkohleseen so langsam zu einem schönen Wassersportgebiet. Nur seien die Landschaftsplaner wohl keine Segler, den es wurde vergessen, die Brücken über die Verbindungskanäle klappbar zu machen. Trotzdem nehmen wir uns vor, das im Hinblick auf ein zukünftiges Diabolo-Jahrestreffen mal im Hinterkopf zu behalten. Außerdem erfahren wir vom Hafenmeister noch die Funktion der in der Karte als „EM-Stelle“ verzeichneten, künstlichen Insel im Greifswalder Bodden, an der wir in den letzten Tagen zweimal vorbeigekommen sind: Hier wurden die Schiffe der Volksmarine entmagnetisiert (näheres für militärtechnisch interessierte auf dieser Homepage: http://ib18-wb1-wolgast.npage.de/vb-basis-em-stelle.html ).

 

 Auf dem Greifswalder Bodden

 

Von rechts: Detlef, Petra, Beate, Peter beim Abendessen in Stahlbrode

 

Montag

Stahlbrode - Altefähr, 11 sm

Über Nacht, das heißt, schon nach dem Abendessen, war der Wetterumschwung da. Es regnete die ganze Nacht und auch heute früh legt es gleich wieder los, kaum dass wir vom Waschraum wieder zurück sind. Mit Petra und Detlef verabreden wir, uns abends wieder in Altefähr zu treffen. Da sie Stralsund schon kennen, warten sie lieber auf Wetterbesserung und planen die Fahrt für die Nachmittagsöffnung der Ziegelgrabenbrücke. Für die Talkrabb reichen die 8 Meter Durchfahrtshöhe des Rügendamms gekrängt aus, so dass wir unabhängig starten können. Lieber im Regen fahren und hoffentlich besseres Nachmittagswetter dann zum Stadtbummel nutzen. Nach zwei Stunden nassem und trübem Getucker kommen wir grade passend zur Mittagsöffnung an die Klappbrücke. Da lassen wir uns den Anblick der enggegenkommenden Bootsflotte und die Durchfahrt natürlich nicht entgehen, sonst wäre eine Rügenumrundung einfach nicht komplett. Dann noch das kurze Stück rüber nach Altefähr und erst mal Mittagessen. Wie im Reiseführer beschrieben sind Gasthäuser, Pflasterstaßen und Personenfähren-Anlegestelle vorhanden. Nach einiger Wartezeit stellt sich leider heraus, dass wohl wegen nahendem Saisonende die Fahrt hinüber ins Stralsunder Stadtzentrum am frühen Nachmittag gestrichen wurde. Glücklicherweise gibt es als Alternative noch den Stadtbus. In der Ortsbäckerei erfahren wir, dass er in den nächsten Minuten abfahren soll. Bei genauerem Studium des ausgehängten Fahrplans werden wir abermals enttäuscht. Dieser Bus fährt nur an Schultagen und in Mecklenburg-Vorpommern beginnt die Schule erst wieder in der nächsten Woche. So müssen wir noch eine gute halbe Stunde mit einem Regenspaziergang durch Altefähr rumbringen bis wir tatsächlich wegkommen. Wie erhofft hört der hört der Regen zu Beginn unseres Rundgangs durch die Stralsunder Altstadt nach und nach auf. Kurze Restschauer überbrücken wir im Innern der 3 beeindruckenden Backsteinkirchen. Mit dem letzten Bus fahren wir zurück zum Boot und treffen unsere Mitsegler wieder. Heute Abend wird an Bord gekocht. Schließlich war der schöne Blick direkt vom Liegeplatz aus auf die abendlich beleuchtete Stralsunder Seeseite der Hauptgrund für die Übernachtung in diesem Hafen. Den Restaurantbesuch verschieben wir auf das Frühstück, das die Kneipe direkt am Steg ab 0730 Uhr anbietet.

 

Stralsund vom Bootssteg in Altefähr aus

 

Dienstag

Altefähr - Prerow, 34 sm

Das Frühstück hält, was es verspricht. Wir langen tüchtig zu, denn es liegt eine recht lange Strecke gegen frischen Wind vor uns bis zum Treffpunkt mit der El Rapide in Prerow. Außerdem müssen wir rechtzeitig an der Meiningenbrücke sein. Was übrig ist, wird von der Wirtin als Vesper eingepackt, Widerspruch dagegen ist zwecklos. So gestärkt geht es um 0900 mit zwei Reffs und halber Fock am Wind den westlichen Strelasund hinunter. Ab und zu sind ein paar Schläge auf dem anderen Bug nötig. Ab dem Tonnenpaar 40/43 wird die Fahrrinne schmal und der Motor bringt uns bis zum Großen Wiek, wo es wieder Platz zum Segeln hat. Gegen Wind und Boddenwellen ankreuzen ist recht nass und anstrengend, macht aber auch irgendwie Spaß. Zur Stimmung trägt natürlich auch der inzwischen wieder überwiegend blaue Himmel bei. Im weiteren Verlauf der Strecke werden die Wasserflächen kleiner und auch der Wind lässt etwas nach. Irgendwann kann die Fock wieder komplett ausgerollt werden. Problemlos und weiterhin zügig segeln wir bis Zingst in Sichtweite kommt. Bis zur Öffnung der Meiningenbrücke haben wir auf dem Warteplatz noch reichlich Zeit für eine ausgedehnte Kaffee- und Lesestunde. Kurz nach der Brücke zweigt im Nordzipfel des Bodstedter Bodddens das sehr schmale Fahrwasser zum Prerowstrom ab. Den Flusslauf hinauf zwischen Baumgruppen und viel Schilf hindurch dauert die Fahrt noch im Ganzen etwa eine Stunde. Etwa halbwegs setzt völlig unnötig noch ein kurzer, aber ausgiebiger Schauer ein. Am Steg in Prerow werden wir schon von Heimo erwartet. Im Ganzen sind mit der El Rapide vier Personen gekommen, neben Regine auch noch ihre Tochter und deren Freundin. Nachdem alle Boote vertäut sind und die Belegung der Kojen auf der Destiny und El Rapide geklärt ist, machen wir uns alsbald alle auf den Weg zum Abendessen.

 

 Durch den Westwind ist das Schutzgebiet vor dem Bock heute trocken. Bei der Hinfahrt war es eine Wasserfläche

 

Fahrwassertonne auf dem Großen Wiek: bald ist es Zeit für die nächste Wende

 

 Auf dem Großen Wiek

 

 Motorfahrt auf dem Prerowstrom

 

Im Hafen von Prerow

 

Mittwoch

Prerow - Dierhagen, 22 sm

Im Prerower Hafen wird werden die Sanitäranlagen auch gleichzeitig für die öffentlichen Einrichtungen wie den Anleger des Ausflugsdampfers genutzt. Daher braucht man für die Toiletten Kleingeld. Zum Ausgleich ist die Liegegebühr entsprechend niedrig, wir bezahlen 4,75 €. Wer allerdings rechtzeitig zur ersten Brückenöffnung loswill, übernachtet umsonst, da der Hafenmeister erst ab 0900 Dienststunden hat. So früh wollen wir nicht weg, zuerst müssen wir uns ja wieder für mindestens ein Jahr von den Segelfreunden verabschieden. Nachdem dies geschafft ist, setzen wir Segel und lassen uns den verträumten Prerowstrom hinuntertreiben. An der S-Biegung vor der Mündung, den Hansels Ohren, reicht es bei fast aufgeholtem Schwert nicht mehr hoch genug an den Wind und wir bleiben im Schilf stecken. Über die flache Umgebung hinweg sehen wir schon den Ausflugsdampfer herankommen. Daher halten wir uns nicht lang mit sportlichen Übungen wie Fock backhalten und Staken auf, sondern lassen einfach den Motor an und fahren wieder rückwärts raus. Dann lassen wir den Dampfer vorbei und segeln weiter. Die Windrichtung passt bis zur Fahrrinne an Nadelhaken. Erst vor Born können wir im weiteren Verlauf wieder die Segel setzen. Wie angekündigt frischt der Wind den ganzen Morgen über auf und wir sind mit Reffs und verkleinerter Fock wieder gut bedient. Was in den Lücken zwischen den Borner Bülten vom Saaler Bodden an Wind und Wellen herein drückt, sieht schon beeindruckend aus und wir verzichten lieber darauf, die Strecke über ein Flachstück am Anfang der Bülten abzukürzen. Es erscheint uns sicherer dem ausgetonnten Weg zu folgen und sicher zu sein, dass genug freies Wasser da ist, wenn mal ein Manöver oder die Navigation nicht ganz perfekt sind. Als wir bei Neuendorf sind, weht es schon recht heftig und es ist klar, dass es mit dem Hinauskreuzen auf den Saaler Bodden nichts wird. Also machen wir uns im geschützten Wasser klar für eine ungemütliche Motorstrecke genau gegenan: Pinkeln, Regenzeug anziehen, Segel gut verzurren. Hier ist der Bodden in Windrichtung an breitesten und entsprechend baut sich die Welle die ganze Strecke von Althagen her auf. Wir wollen erst mal etwa bis zur Tonne R84. Dann wären wir sicher frei vom Leeufer und den Flachstellen des Saaler Riffs. Zudem wäre die Hälfte der Windanlaufstrecke weg, so dass es für einen weiteren Halbwindkurs mit minimaler Segelfläche reichen müsste. Bleibt es zu ruppig könnten wir wieder umdrehen oder, was wohl sinnvoller wäre, vollends weiter bis unter die Luvküste nach Althagen und dann unter Land weiter oder erst mal abwarten. Die nicht besonders hohen, aber steilen Boddenwellen sorgen dafür, dass wir reichlich durchgeschüttelt und auch pausenlos mit sattem Schwall abgeduscht werden. Auch bei widrigen Bedingungen schaffen wir mit dem Motor gut 4 Knoten. Wenn das Boot aber nach einer besonders steilen, nur etwa eine halbe Bootslänge messenden Welle ins Tal fällt und der Bug senkrecht gegen die nächst Welle fährt, geht die Fahrt auf nicht mal mehr 2,5 Knoten zurück. Kommen zwei solche Wellen direkt nacheinander, stehen wir praktisch auf der Stelle. Entsprechend zäh geht es voran. Je näher wir der angepeilten Tonne und damit dem luvseitigen Ufer kommen, umso deutlicher ist zu merken, dass die Wellen etwas kleiner werden. Offenbar hat auch der Wind etwas abgenommen. An der Tonne sind die Wellen nur noch recht harmlos und wir drehen wie beabsichtigt nach SW ab und setzen die Fock. Leider hat der Wind mit der Abnahme auch etwas weiter nach W gedreht, und wir erreichen so einfach nicht genug Höhe. Also kommt wieder die kräftezehrende aber bessere Alternative 2-fach gerefftes Groß und halbe Fock zu Einsatz. Das geht wieder recht gut und es ist nicht mehr das Problem die weiteren Tonnen zu erreichen, sondern, wie offenbar immer auf dem Saaleer Bodden, die Tonnen überhaupt zu sehen. Die letzten Kreuzschläge des Urlaubs führen uns am frühen Nachmittag vor die Fahrwassertonnen von Dierhagen. Nach dem Anlegen im Clubhafen erfahren wir von zwei Vereinsmitgliedern, dass man zur Ausfahrt aus dem Hafengelände nicht auf den Hafenmeister angewiesen ist. Also machen wir erst mal in Ruhe eine verspätete Mittagspause. Segel trocknen, Auswassern, zusammenpacken, alles klappt perfekt. Bei dem Vereinsvorstand, Herrn Boese, bezahlen wir fürs Parken und die Übernachtungen, geben den Schlüssel fürs Vereinsgelände zurück und bedanken uns für die gastfreundliche Aufnahme. Der Urlaub ist fast aus, wir rollen vom Hafengelände und kaufen beim Edeka am Ortsausgang einen halben Einkaufwagen voll Sanddornmitbringsel. Bei Rostock halten wir zum Abendessen beim Burger King und fahren noch bis kurz vor Wittstock, wo wir am Rand eines abgeernteten Getreidefelds übernachten. Donnerstags am Spätnachmittag sind wir wieder daheim.

 

 Donnerstagmorgen bei Wittstock

 

Peter Zweigle

 

 

 

 

 

 

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