Alles in Allem

 

Die Elbe ist nicht in erster Linie ein Segelrevier. Die Kombination aus Segeln und Flussschifffahrt mit der Natur, den Sehenswürdigkeiten und der überall gegenwärtigen deutschen und europäischen Geschichte machen den Reiz aus.

 

Wir haben am 29.5. in Lobositz (Lovosice) eingewassert. Am 17.6. kam das Boot in Hamburg, genauer gesagt im Sportboothafen Tatenberg, wieder auf den Trailer. Das waren 679 km, von denen wir 285 km gesegelt sind. 394 km haben wir mit dem Motor zurückgelegt und dafür 30 Liter Benzin verbraucht. Dabei haben wir außer Böhmen noch 7 deutsche Bundesländer durchfahren oder zumindest berührt. Zusammen mit den Bahn- und Autostecken waren es sogar 11 Bundesländer. Leider stellte sich das erhoffte festliegende Hoch über Skandinavien nicht ein, so dass wir auf den beständigen, kontinentalen, trockenen Ostwind verzichten mussten und stattdessen die normale Wetterlage mit überwiegendem Wind aus W und NW herrschte. Die Distanzen sind nicht so weit, unsere Tagesstrecken lagen zwischen 31 und 72 km. Mit Motor oder Segel und mit der Strömungsunterstützung ist das gut zu schaffen. Der Wasserstand war ideal. Das heißt, in der Fahrrinne hatte es deutlich über 2 m Wasser. Daneben sind die Chancen, dass es mit herabgelassenem Schwert reicht, je nach Steckenabschnitt vielleicht 50/50. Oberhalb von etwa Riesa rumpelt es heftig an den Steinen, weiter unten ist dann nur noch Sand. Seit Jahrhunderten wird dort durch Buhnen versucht, das Fahrwasser tiefer auszuschwemmen und den Sand zwischen den Buhnen absetzen zu lassen. Das ist recht erfolgreich und man findet auf dem unteren Teil des Elbverlaufs eine reiche Auswahl von feinen Sandstränden für die Übernachtung. Jedoch auch auf den anderen Abschnitten herrscht durch die nur extensiv genutzten Flussauen und die eher unauffälligen wasserbautechnischen Maßnahmen der Eindruck eines naturnahen Fließgewässers vor. Es gibt auch immer mal wieder einmündende Nebenflüsse oder alte Stromarme, die mit der entsprechenden Vorsicht befahren oder als Übernachtungsliegeplatz benutzt werden können.

 

Der Törn

 

Die Elbe hatten wir schon einige Zeit im Kopf. Aber in den letzten Jahren passte die mögliche Länge des Urlaubs oder seine zeitliche Lage nicht. Mit 730 km von der Tschechisch-deutschen Grenze bis zur Cuxhavener Kugelbake ist die Elbe ganz schön lang und schlängelt sich durch uraltes mitteleuropäisches Kulturland und viel Natur dazwischen. Will man nicht nur runterfahren, um am anderen Ende anzukommen, braucht so ein Törn eben seine Zeit. Erholung uns Sightseeing sollen ja auch nicht zu kurz kommen. Die Vorplanungen entwickelten sich immer weiter dahin, den Endpunkt der Reise von vornherein offen zu lassen und sozusagen erst mal „Teil 1“ anzugehen. Mal sehen wie weit wir kommen. Stress im Urlaub, weil man hinter einem Plan zurückliegt? Ohne uns! Der Rest soll dann in einem zweiten Urlaub folgen. Der wäre dann thematisch nicht so auf die Elbe fixiert, sondern wir würden uns eher generell mit dem Küstenland der Nordsee befassen. Von den durch die Gezeiten beeinflussten Gewässern dort wäre die Niederelbe mit den vielen, großen Schiffen bestimmt auch nicht die erste Wahl für einen kleinen Jollenkreuzer.

 

Im Internet stolperten wir irgendwann über Thomas Weihermüller und den Segelclub Dresden Wachwitz. Bald wurde der Mailverkehr immer intensiver und Thomas versorgte uns kompetent und hilfsbereit mit allem, was ein Elbesegler wissen muss. Anfangs überlegten wir, uns etwa Mitte August auf den Weg zu machen. Das wäre mit unserem zweiten Hobby, dem Weinbau, am einfachsten zu vereinbaren. Leider sinken normalerweise während des Sommers die Pegelstände der Elbe auf unter 1 m. Dann reicht es oft selbst in der Fahrrinne nicht mehr, um das Schwert ganz herunter zu lassen und viele Anlegemöglichkeiten sind gar nicht erreichbar. Das andere Extrem für den August markierte das Hochwasser von 2002 mit einem Pegelstand von 9,40 m in Dresden. Zu früh im Jahr kann man auch nicht losfahren. Wegen möglichen Eisgangs und der regelmäßigen Frühjahrshochwasser werden die meisten Steganlagen über den Winter an Land gesetzt und stehen erst etwa Ende April / Anfang Mai wieder zur Verfügung. So lief es auf Anfang Juni heraus.

Im Lauf der Feinplanung schlug Thomas W. vor, unsere Reise schon in Tschechien und nicht erst in Deutschland zu beginnen. Die Dresdner Segelvereine veranstalten traditionell um diese Zeit ihr jährliches Jugend-Fahrtenseglertreffen am Zernoseky-See. Die Veranstaltung kann man sich als eine Mischung zwischen CVJM-Pfingstlager und Diabolo-Jahrestörn vorstellen. Auto und Trailer könnten wir in Wachwitz abstellen und der Rücktransport des Fahrers nach Lobositz sei kein Problem. Irgendjemand müsse immer Jollen oder sonstige Ausrüstung transportieren. Die Termine passten auf den Tag genau zusammen, und so machen wir uns am 28. Mai auf den Weg zu unserem Ausgangspunkt. Wegen der tschechischen Autobahnmaut wählen wir unsere Route über Schweinfurt und Hof und anschließend auf Landstraßen übers Erzgebirge. Es ist ja nicht besonders weit und kommt auf eine halbe Stunde nicht an. Im Nebel auf den mehr oder weniger bewaldeten Kuppen des Erzgebirges neben den Gartenzwerghändlern am ehemaligen Grenzübergang wirkt unser Schiff im Gepäck irgendwie etwas irreal. Nach dem Abstieg durchqueren wir die Industriebrachen des nordböhmischen Braunkohlereviers und sind abends am See. Auf dem Parkplatz der Marina Labe richten wir uns für die Nacht ein. Das Gewässer ist ein mit der Elbe verbundener Baggersee nahe dem böhmischen Lobositz. Er liegt zwei Tagesetappen stromaufwärts von Dresden. Der See ist eher klein, ist aber für die Dresdner Segler die nächstgelegene Wasserfläche, außer der Elbe selbst natürlich, die auf eigenem Kiel zu erreichen ist. Am kleinen Yachthafen gibt es ein Restaurant. Möchte man auf den Hafenkomfort verzichten, kann man sein Boot auch einfach über Nacht an einer der kleinen Inselchen festbinden. Am nächsten Vormittag bauen wir auf und wassern ein. Dabei müssen wir ein paar Mal eine Pause einlegen wegen Böen, bei denen das ganze Boot mitsamt Trailer heftig wackelt, und der zugehörigen Schauer. Um die Mittagszeit treffen die ersten Dresdner Segler auf dem Wasserweg ein und ich mache mich kurz darauf mit dem Auto auf den Weg nach Dresden. Die Gegend wird auch als „Garten Böhmens“ bezeichnet, da wegen des milden Klimas Wein und kälteempfindliche Pflanzen gut gedeihen. Das Ganze ist eingebettet in die malerischen Vulkanschlote des Böhmischen Mittelgebirges. Als ich abends mit Thomas wieder zurück bin, sehe ich mir auf der Digitalkamera die Bilder davon an, die Beate inzwischen während ihrer nachmittäglichen Wanderung gemacht hat. Leider bleiben es die einzigen Panorama-Ansichten dieser schönen Landschaft. Auf der ganzen Fahrt am nächsten Tag bleibt es trübe und regnerisch, so dass wir nur das Flusstal selbst sehen können. Trotzdem kann man erahnen, dass der Durchbruch durch das Böhmische Mittelgebirge, die „Porta Bohemica“ zu den landschaftlich schönsten Abschnitten des Törns zählt. Die Industriegebiete der Städte und die Aussiger Schleuse am Schreckenstein, bei der wir unseren Mast legen müssen, beeinträchtigen das Gesamtbild. Deshalb zur Illustration ein Bild ohne Schleuse und Regenwetter, dafür aber schon etwas älter.

„Überfahrt über die Elbe am Schreckenstein“, Ludwig Richter , Gemälde 1837

 

In Postelwitz, einem Ortsteil von Bad Schandau, bleiben wir und legen am Pfingstsonntag einen Wandertag ein. Auch bei unserer Schrammsteinwanderung lässt die Fernsicht zu wünschen übrig. Die näher liegenden Felsen und Erhebungen der Sächsischen Schweiz bleiben trotzdem schön und der Besucherandrang hält sich bei dem Wetter dafür in Grenzen. An nächsten Tag ist das Wetter wie ausgewechselt. Wir können gleich nach dem Ablegen die Segel setzen und bei warmem Sommerwetter die ganze Strecke bis zum Dresdner Vorort Wachwitz segeln, vorbei an Lilienstein, Königstein, der Bastei und Schloss Pillnitz. Den Rest des Tages und den Folgetag verwenden wir dazu, die bei einem früheren Dresdenbesuch vernachlässigten Sehenswürdigkeiten nachzuholen, vor allem das Grüne Gewölbe. Wir liegen am Steg des Wachwitzer Segelclubs, der sich an einem leichten Fluss-Außenbogen mit beachtlicher Strömung befindet. Die Motorkraft reicht zwar problemlos zum Anlegen, aber das Schwert muss unbedingt aufgeholt werden, um Boot und Steg für eine ruhige Nacht von Strömungskräften zu entlasten. Das Strömungsbild beim Hinausschauen und das Gluckern und Rauschen aus dem Schwertkasten erwecken beim Zubettgehen den Eindruck, noch in Fahrt zu sein. Mittwochs bei der Weiterfahrt durch Dresden wirft der bevorstehende Besuch des US-Präsidenten seine Schatten voraus, für den einen Tag später der gesamte Schiffsverkehr auf diesem Elbeabschnitt eingestellt werden soll. Wahrscheinlich alle Fahrzeuge der Wasserschutzpolizei von Sachsen begegnen uns und auf einer Kaimauer ist eine Kompanie Froschmänner angetreten.

 

Die weiteren touristischen Wegepunkte sind Meißen, Torgau, Wittenberg, Dessau. Diese Orte sind natürlich deutlich kleiner und übersichtlicher als z. B. Dresden. Die Entfernungen sind auch nicht zu groß, so dass es ein guter Rhythmus ist, immer etwa einen halben Tag zu fahren und den Rest des Tages mit Besichtigungen usw. zu verbringen. Es liegt meist alles in bequemer Fußentfernung von den Anlegemöglichkeiten. Auf dem Weg zur Porzellanmanufaktur stoßen wir auf den von der Stadt Meißen betriebenen historischen Weinberg. Dessen Restaurierung und Betrieb dient neben der Erhaltung der Weinbautradition auch der sinnvollen Beschäftigung von arbeits- bzw. ausbildungslosen Jugendlichen. Als der städtische Wengerter erkennt, dass er auf den Gebieten Weinbau und Berufsausbildung vorbelastete Gesprächspartner vor sich hat,  ist er gar nicht mehr zu bremsen. Es ist nicht einfach, genug Zeit fürs Porzellan übrig zu behalten, ohne unhöflich zu erscheinen. In Torgau beeindruckt das Renaissanceschloss mit seiner steinernen, ohne Mittelpfeiler konstruierten Wendeltreppe. Das Bild zeigt den historischen Handschlag von Torgau zwischen den amerikanischen und sowjetischen Soldaten.

                          

„Handschlag von Torgau“, nachgestelltes Foto 1945

Wittenberg ist mit dem Begriff Lutherstadt auseichend charakterisiert. Das Gelände der  Wassersportgemeinschaft ist sehr gepflegt. Auf Fotos in den Vereinsräumen ist das frühere Aussehen des als Strandbad erbauten Komplexes zu sehen. Der ursprüngliche Baustil stimmt sozusagen bereits auf das nahe Dessau ein. Dort dehnen wir unseren Aufenthalt gezwungenermaßen etwas aus, da wir wegen eines Motorbootrennens bis zum Mittag den Hafen nicht verlassen dürfen. Den Themenkreis Bauhaus hatten wir bereits bei einem früheren Aufenthalt „erledigt“, so sind diesmal die anderen Sehenswürdigkeiten dran: Das Georgianum, ein Teil der Parklandschaften dieser Gegend,  und das Junkers-Museum. Leider meint es das Wetter in dieser Zeit nicht besonders gut mit uns. Die vorgezogene Schafskälte bringt einige Tage mit ungemütlichem, nasskaltem Wind aus der falschen Richtung. Je nach zu erwartender Flussrichtung entscheiden wir immer, ob es sich lohnt, prinzipiell zu segeln und bei Bedarf für kurze Stücke schnell die Fock einzurollen und den Motor einzuschalten. Wenn hauptsächlich motort wird, versuchen wir, wenigstens für passende Flussschleifen stattdessen die Fock zu nehmen. Da wir uns offenbar noch nicht so richtig auf die hin- und her pendelnde Fahrwasserführung eingeschwungen haben, sorgt der anfangs noch steinige Untergrund immer wieder für heftige Grundberührungen und schnelle Kurbelaktionen. Bevorzugt wollen wir segeln, aber wenn Windstärke, Böen, Regen, enges Fahrwasser in Kombination sowieso keine Freude aufkommen lassen, sind wir auch froh am Motor. Zusammen mit der deutlichen Strömung sorgt er dann dafür, dass wir das Etappenziel wenigstens schnell erreichen und mehr Zeit fürs Beiprogramm haben. Wir bedauern die vielen Elbeabwärtsradler fast, die sich bei dem Gegenwind den ganzen Tag richtig anstrengen müssen um im Schnitt dasselbe Tempo erreichen. Die Segeltage sind natürlich schöner. Wir sind das erste Mal auf einem Fluss mit so starker Strömung unterwegs. Es irritiert anfangs, dass feste Landmarken am Ufer nicht helfen wenn man einen gleichbleibenden Kurs zum Wind steuern will, sondern alles seitlich wegrutscht. Natürlich schwanken im Binnenland Windrichtung und Stärke auch erheblich und ähnliche Effekte kommen sozusagen auch bei dem über die „Landschaft“ auf dem Flussgrund strömenden Wasser vor. Daher sehen unsere gesteuerten Kurse vor allem zu Beginn des Törns eher besoffen aus. Mit der Zeit haben wir es aber gut im Griff. Auch nachdem wir die Sächsischen Weinberge bei Diesbar-Seußlitz hinter uns gelassen haben bleibt die Landschaft leicht hügelig und wird erst allmählich immer flacher. Bis etwa Torgau gibt es zwischen den Buhnen noch kaum Sand. So vermissen wir hier das Badewetter noch nicht.

 

An Magdeburg fahren wir vorbei. Es ist erst mal genug mit Sightseeing. Die Stromschnellen des Domfelsens und die niedrige, alte Eisenbahnbrücke passieren wir problemlos. Allmählich zeigt sich das Wetter häufiger von seiner freundlichen Seite. So können wir endlich auch die erhofften Badenachmittage auf den Sandstränden zwischen den Buhnen einlegen. Das passt gut, weil auf diesem Elbeabschnitt außer mit Tangermünde und vielleicht der Ansicht der halbe Eisenbahnbrücke bei Dömitz wenig Besichtigungspunkte mehr kommen. In der flachen, norddeutschen Landschaft ist der Blick während der Fahrt auf die zeitweise höchsten Bauwerke Deutschlands noch erwähnenswert. Es sind zwei fast 350 m hohe Sendemasten. Mit ihnen wurde per Richtfunk der Telefonverkehr mit Westberlin übertragen. Sonst herrscht hier Natur pur in einem Maß, wie wir es mitten in Deutschland kaum erwartet haben. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg war früher der am dünnsten besiedelte Landkreis Westdeutschlands. Und das DDR-Ufer war zwangsläufig praktisch unbewohnt. Also ideale Bedingungen für die vielen über dem Flussgebiet kreisenden Rotmilane, Schwarzmilane, Fischadler und Seeadler, die wir jeden Tag beobachten können. In der Dämmerung schwimmen um unser zwischen den Buhnen verankertes Boot sogar zweimal Elbebiber, von denen es wieder ungefähr tausend geben soll. Nachts stört auch keine Berufsschifffahrt die Idylle. Das gewundene, unübersichtliche Fahrwasser zwingt die Schiffe auf dem eigentlich recht breiten Fluss zu eigenartigen Slalomkursen. So ist schon tagsüber der Schiffsverkehr ziemlich gering und nachts weiter zu fahren wäre viel zu gefährlich. Die meisten westeuropäischen Schiffer wählen stattdessen lieber die Route über den schnurgeraden Elbeseitenkanal und den Mittellandkanal, wo sie Tag und Nacht ihren Terminen hinterher hetzen können. Auf der Elbe sind hauptsächlich tschechische Schubverbände unterwegs. Wie wir beobachten können, suchen die sich abends eine geeignete Stelle, an der sie außerhalb des Fahrwassers den ganzen Verband an den Anker hängen können und machen erst mal Feierabend. Am nächsten Morgen geht es dann in aller Ruhe weiter. Eine sehr sympathische Arbeitsplanung. Trotz der Ausweisung als „Biosphärenreservat“ für weite Teile gibt es genug Möglichkeiten, die Proviantvorräte wieder aufzufüllen. So laufen wir auch Hitzacker an. Obwohl der Wasserstand eigentlich normal ist, bleiben wir selbst mit aufgeholtem Schwert in der Hafeneinfahrt stecken und gelangen nur mit kräftigem Motoreinsatz in den Hafen. Am Abend begrüßt uns der Hafenmeister verblüfft mit der Frage „Wie seid ihr denn hier reingekommen?“ Er rät, beim Auslaufen sollten wir es möglichst weit rechts versuchen, dort sei die Sandbank noch am niedrigsten. Viel Stress durchs Hafengeld kassieren kann der Mann wahrscheinlich nicht haben. Am nächsten Morgen halten wir uns ganz rechts, ohne dass davon die Ausfahrt besser klappt. Unmittelbar danach bemerke ich, dass aus dem Motor kein Kühlwasser mehr kommt. Also nochmal ein kurzer Stopp neben dem Anleger der Personenfähre. Nachdem die Auslassöffnung vom Sand befreit ist, kann es weitergehen.

 

So langsam müssen wir uns Gedanken machen, wie weit unsere Reise gehen soll. Das Segelwetter passt und Zeit haben wir noch genug. Also beschießen wir, über Lauenburg und Geesthacht hinaus weiter zu fahren und einen günstig im Einzugsgebiet des Hamburger Nahverkehrs gelegenen Endpunkt anzusteuern. Ab der Einmündung des Elbeseitenkanals wird der Verkehr dichter. Das Sperrwerk in Geesthacht passieren wir bei HW und können angenehm mit dem Ebbstrom Richtung Hamburg segeln. Nach der Fahrwassertrennung nehmen wir die Norderelbe bis zur Autobahnbrücke. Davor mündet von rechts die Dove Elbe ein. Auf der alten Hamburger Stadtansicht ist sind die Elbarme schön zu sehen und es ist interessant, das mit dem heutigen Aussehen zu vergleichen. Wenn man genau hinschaut, kann man darauf sogar an der Einmündung der Dove Elbe ein kleines Segelboot erkennen.

 

„Hamburg“ Kupferstich von 1689

 

Nach etwa 2 km liegt die Tatenberger Schleuse. Sie trennt die weitere Dove Elbe und den unmittelbar stromauf liegenden Sportboothafen vom Gezeiteneinfluss. Für die dahinter  liegende Straßenbrücke müssen wir zum ersten Mal seit Aussig den Mast legen. Alle Elbbrücken waren hoch genug für uns.

Bis auf den fehlenden Bäcker erweist sich der Hafen als ideal. Gastronomie ist vorhanden, ca. 5 km zur nächsten Autobahnausfahrt und in Sichtweite des Liegeplatzes fährt morgens alle 10 Minuten der Bus in einer knappen halben Stunde zum Hamburger Hauptbahnhof. Mit dem Hamburg-Budapest-Express fahren wir Dienstags um 8:33 Uhr los um den Trailer zu holen. Der Zug ist um 12:52 Uhr pünktlich in Dresden. Nach der Rückfahrt und ein paar Besorgungen sind wir abends wieder beim Boot und packen zur Sicherheit die trockenen Segel gleich noch zusammen. Dank der idealen Slipbahn funktioniert das Auswassern am nächsten Morgen so leicht wie noch nie. Wir bauen in aller Ruhe ab und sind am frühen Abend daheim.

 

 

 

Infos, Dies und Das

 

Buhnen

Seitliche Steinschüttungen zur Verengung des Strömungsquerschnitts. Können bei hohem Wasserstand unsichtbar unter der Wasseroberflächen liegen.

 

Grill

Ohne Holzkohlegrill sind Strandübernachtungen nur halb so schön. Der Faltgrill von Woick Best.- Nr. BK408009 für 29,95 € hat ein Packmaß von nur 26,5x26,5x3 cm. Er wird aus stabilen Niroplatten zusammengesteckt und funktionierte recht gut (mit zusätzlichen Luftlöchern vielleicht noch besser).

 

Hafengeld

Es gibt praktisch keine kommerziell betriebenen Yachthäfen (außer natürlich in Hamburg).

Die Segelvereine haben einen bis mehrere Gastliegeplätze. Telefonische Anmeldung vorher oder bei der Ankunft oft erforderlich. Die Übernachtung einer Diabolo mit Crew kostet normalerweise 3 bis 6 €.

 

Karten

Törnführer Elbe Band 1 bis 3, Doris und Andreas Saal, ISBN 3-89880298-1, 3-8988030-5, 3-89880550-6

 

Literatur

Die Elbe, Hansjörg Küster, ISBN  978 3 406 56209 9

Das kenntnisreich geschriebene Buch spannt den Bogen von den Gletschern der Eiszeit bis zur jüngeren Geschichte. Ideal, wenn man parallel zum Törnverlauf etwas über die vorbeiziehende Landschaft erfahren möchte.

 

Pegel

Die Brückenhöhen sind auf den höchsten schiffbaren Wasserstand (HSW) bezogen.

Die tatsächlich vorhandene Durchfahrtshöhe wird mit für den Streckenabschnitt maßgeblichen aktuellen Pegelstand berechnet, den man am besten morgens per Telefon abruft.

 

Strömung und Wasserstand

Oberhalb von Aussig ist die Elbe staugeregelt. Strömung und Wasserstandschwankungen sind gering.

Auf der ganzen Elbe ab Aussig kann der Wasserstand sehr stark schwanken.  Die Strömungsgeschwindigkeit beträgt im Schnitt etwa 3 bis 4 km/h. An den Engstellen bei Decin und am Magdeburger Domfelsen ist sie am größten.

Der Wasserstand wird erst wieder durch das Sperrwerk in Geesthacht geregelt. Dort wird der Wasserstand praktisch konstant gehalten, um die Einfahrt in den Elbeseitenkanal und die Kühlwasserentnahme für das Kernkraftwerk Krümmel zu erleichtern. Zugleich dient die Elbe hier als unteres Becken eines Pumpspeicherkraftwerks, das die Überschussenergie puffert. In der Nähe der Anlage wird vor starken Querströmungen gewarnt.

Unterhalb des Sperrwerks ist die die Elbe Tidengebiet mit einem Tidenhub von etwa 3 m.

Der Ebbstrom dauert ungefähr 8 Stunden, der Flutstrom ungefähr 4.

 

Trailertransport

Für längere Strecken sind praktisch nur Einwegtörns sinnvoll. Zwischen den größeren Städten ist die Rückreise zum Trailer problemlos. In den kleineren Orten dazwischen erinnern die Bahnhöfe trotz Ziegelbauweise teilweise stark an die einschlägigen Wildwestfilme. Hier sollte man vorab den Reiseverlauf recherchieren.


 

 

Beate und Peter Zweigle


Nachtrag

Dier Bericht wurde ursprünglich für die Teufelspost geschrieben. Wegen der Längenvorgabe enthält er keine Fotos. Für die Homepage ist das aber etwas trocken. Daher nachfolgend einige bunte Bilder vom Törn in chronologischer Reihenfolge.

 
.           Blick auf den Elbedurchbruch "Porta Bohemica                                                                         Steg Marina Labe in Pistany         
.                                                                                                                                                              rechts Thomas und Ursula Weihermüller

 
            Burg Schreckenstein heute                                                                           Beginn der deutschen Kilometerzählung              

 
                                Festung Königstein                                                                                                                                            Basteifelsen          

 
                            Schloss Pillnitz von der Wasserseite                                                                                         Wachwitz und Blick auf die Elbe

 
                        Brühlsche Terrasse in Dresden                                                                                                       Albrechtsburg in Meißen         

 
                                      Elbe bei Torgau                                                                                                  Magdeburger Dom und alte Eisenbahnbrücke

 
             Überführung des Mittellandkanals über die Elbe                                               Ruhige Übernachtung bei km 353                       

           

                  Tangermünde                                                                                                                                           Adler  


              Alte Eisenbahnbrücke bei Dömitz                                                                             Baden und grobe Reinigung der Rumpfseiten


 

             Hier verlief mal dieZonengrenze                                                                                                           Lauenburg 

 

                            In der Schleuse Geesthacht                                                                                                      Törnende im Sportboothafen Tatenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

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